Axel Reitz trifft im Rahmen des SOR-Projekttages die Q2 unserer Gesamtschule 

Wenn sich alle einig sind, ist das ein gutes Zeichen. Nach dem Projekttag „Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage (SOR-SMC)“ waren sich alle Beteiligten des angehenden Abiturjahrgangs einig: „Dieser Tag hat sich gelohnt!“

Auf Initiative der Schülerin Julia Fischermann hatte Tutor Guido Müller einen besonderen Gast an die Schule eingeladen: Axel Reitz war über zehn Jahre in der Nazi-Szene rund um Köln mehr als aktiv, bevor er in einem langen Prozess aus der Szene ausstieg und mittlerweile seit Jahren als gefragter Redner Vorträge über die Gefahren von Extremismus hält.

Am Vortragstag gelang es ihm beeindruckend, die Aufmerksamkeit der gesamten Q2 mit seiner Lebensgeschichte zu bekommen. Reitz machte deutlich, dass der Weg in den Extremismus nicht allein von sozialen Faktoren abhängt, sondern auch junge Menschen aus gut situierten Verhältnissen gefährdet sein können. Sein Vortrag über die stufenweise Abkehr vom demokratischen System, die er selbst erlebte, hinterließ nachhaltig Eindruck bei den angehenden Abiturient*innen.

Mit beeindruckender Präsenz, schüleradäquater Sprache und verstörend glaubwürdigem Bildmaterial offenbarte Reitz der Stufe seine Vergangenheit, die ihn zu einem beliebten Redner der rechten Szene werden ließ, den selbst Gefängnisstrafen nicht von seinem Kampf gegen das seiner Meinung nach „falsche“ System abbringen konnte. Die Gefahr, die von Extremisten ausgeht und der Grad der Verblendung, den man als Teil der Szene in Kauf nimmt, konnte Reitz eindrucksvoll darstellen: „Extremisten haben ein binäres Weltbild, kennen nur schwarz und weiß!“, erklärte er. „Zweifel an der eigenen Haltung ist Verrat, Gewalt zur Durchsetzung der eigenen Ziele ist legitim!“

Nachdem Reitz seinen langen Weg des Ausstiegs beschrieben hatte, gab es Zeit für den Jahrgang, mit dem Gast ins Gespräch zu kommen. Weit über eine Stunde gab es Fragen aus dem Publikum, ein Zeichen für das große Redebedürfnis der Stufe. Von der Aufarbeitung der eigenen Haltung über die Gefahren für einen Aussteiger bis hin zur Rolle, die junge Frauen innerhalb der Naziideologie einnimmt, wurden verschiedenste Aspekte beleuchtet. Reitz betonte innerhalb dieser Phase immer wieder die inhaltlichen Brüche und Verlogenheit der Szene, die in ihrer eigenen Ideologie gefangen ist. Ihm war es besonders wichtig, die Rolle des Staates bei seinem Ausstiegsprozess zu betonen. „Ihr lebt in einem Staat, der euch selbst dann die Hand reicht, wenn ihr große Fehler begangen habt. Das ist ein hohes Gut.“ Ein Extremismusfilm rundete einen Vormittag ab, der den allermeisten Schüler*innen des Jahrgangs in Erinnerung bleiben wird. So offen über Extremismus zu sprechen, sei wichtig und notwendig, meinte Julia Fischermann, die den Tag als bedeutsamen Beitrag zur Präventionsarbeit einstufte.

„Selten habe ich einen so eindrucksvollen SOR-Tag erlebt“, war Tutor Thomas Dittmer beeindruckt. „Axel Reitz hat als Aussteiger ein beeindruckendes Plädoyer für Demokratie und gegen Fanatismus gehalten – unsere Schüler*innen konnten wirklich viel mitnehmen“, meint Guido Müller.

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